General Anzeiger Bonn - 24.06.10
Jugendliche fordern von Politik und Verwaltung mehr Freizeitangebote. Nur Bornheim-Ort bietet genug
Von Roland Kohls
BORNHEIM-MERTEN.
Das Urteil der Jugendlichen über die Freizeitmöglichkeiten in der Stadt fiel sehr differenziert aus. Während Bornheim-Ort mit Café Carlson und Bornheimer Jugendtreff (BJT) recht gut versorgt ist, sind die Angebote in den Ortsteilen eher dünn gesät.
So fiel die Kritik vieler Jugendlicher beim Bornheimer Jugendforum in der Mertener Franziskusschule aus. Politiker und Vertreter der Stadtverwaltung waren gekommen, um den Mädchen und Jungen zuzuhören.
Zur Vorbereitung der Diskussion hatte eine Arbeitsgruppe bei der Projektwoche der Franziskusschule das Freizeitangebot unter die Lupe genommen und in einem Videofilm festgehalten (der General-Anzeiger berichtete). Die Ergebnisse waren auch auf Stellwänden in der Aula zu sehen. Der Film lief zum Einstieg, bevor in drei Arbeitsgruppen die Diskussionen starteten.
Die Projektgruppe hatte an den fünf Tagen die Freiwillige Feuerwehr in Merten, Treffpunkte von Jugendlichen in Sechtem, BJT und Café Carlson sowie ein Boxtraining beim SSV Bornheim und Fußballtraining beim SSV Merten besucht. "Ich war geschockt, als ich gesehen habe, wo sich die Sechtemer Jugendlichen treffen", sagte die Schülersprecherin der Franziskusschule, Lucie Bell, die mit der Kamera unterwegs gewesen war.
Der zwölfjährigen Katrin und dem elfjährigen Tim aus Merten fehlt es an einem Treffpunkt in ihrem Ort: Vor allem für jüngere Mädchen und Jungen fehle es an Angeboten. Das findet auch Sascha (12) aus Sechtem. Der dortige "Youthclub" sei eher für Ältere. "Ich fände so einen Treff für Jüngere schon gut", sagte er.
Eine Befragung unter den Jugendlichen unterstreicht das Fehlen von Treffpunkten für Jugendliche. Während 27 der Befragten das Angebot ausreichend finden, sagten 54, dass es nicht genügend Freizeitmöglichkeiten gebe. 19 Prozent machten keine Angaben.
Der 21-jährige Nouredine Bouchmait, der beim BJT einen Rap-Kursus leitet, wuchs in Bornheim auf. Er meinte, dass manches zwar recht lange dauere. Aber letztlich reagiere die Politik auf die Wünsche der Jugendlichen. So sei in Roisdorf zum Beispiel nach vielen Jahren ein Bolzplatz errichtet worden, und einen Rap-Kursus habe es früher nicht gegeben.
"Wir Politiker haben einen anderen Blickwinkel als die Jugendlichen und damit auch eine andere Wahrnehmung", sagte der stellvertretende Bürgermeister Heinrich Hönig (CDU), als er sich den Jugendlichen zur Diskussion stellte. Gerade in Zeiten von Sparhaushalten seien kreative Ideen wichtig, um das Geld zielgerichtet nach den tatsächlichen Wünschen der Jugendlichen auszugeben, sagte der Beigeordnete der Stadt für Jugend- und Schulfragen, Markus Schnapka (Grüne) .
Die Veranstaltung in der Franziskusschule solle auch ein Signal für die anderen weiterführenden Schulen in Bornheim sein. "Ich wünsche mir, dass dieses Jugendforum keine Eintagsfliege ist, sondern verlässliche Strukturen schafft", sagte die Leiterin der Franziskusschule, Henriette Heidmann.
Das Jugendforum wurde im Auftrag der Stadt Bornheim organisiert durch das evangelische Jugendreferat des Kirchenkreises und durch die Franziskusschule. Seit acht Jahren lässt die Stadt die Jugendlichen durch Foren an den Entscheidungen für sie teilhaben.