General Anzeiger Bonn - 13.05.2009
Mertener Schüler durchforsten Keller und Dachböden
Von Frank Engel-Strebel
BORNHEIM-MERTEN. Die Schilderungen über die heimatlosen Kinder in der Missionsstation der Schwestern der Salvatorianerinnen im südbrasilianischen Camp Alegre war für die Klasse 7 b der Mertener Franziskus-Hauptschule unvorstellbar. So schrieb ein kleines Mädchen aus dem Amazonasstaat, es habe noch nie einen Teddybär in Händen gehalten. Das wird sich ändern. Jetzt packten die Schüler Pakete für die brasilianischen Kinder.
"Dank der Erzählungen habe ich Lust bekommen zu helfen", erklärte der 14-jährige Christian Zimmermann, der seine ausgedienten Actionfiguren einpackte. Klassenlehrerin Bernadette Lang kennt die Situation der Kinder, oft Waisen oder aus ärmsten Verhältnissen stammend, vor Ort aus eigener Anschauung.
1998 lernte sie die Ordensschwestern kennen, die sich um die Not leidenden Kinder kümmerten. Fortan wollte die Deutschlehrerin helfen und organisierte das mit ihren Schülern. Zum ersten Mal verschickte sie 2005 Pakete nach Camp Alegre.
Die Schüler durchforsteten zu Hause ihre Keller und Dachböden nach Kleidung, Plüschtieren und Spielsachen und verpackten alles nach dem Schulunterricht. Drei gut gefüllte Pakete kamen zusammen. „Wir legen Wert drauf," betonte Bernadette Lang, „dass die Sachen in Ordnung sind."
Größtes Problem sind die hohen Portokosten. 80 Euro kostet ein 20-Kilo-Paket nach Südamerika. „Ein stolzer Preis", gibt die Pädagogin zu, „für Pakete, die etwa drei Wochen unterwegs sein werden." Die spendenfreudigen Schüler hoffen jetzt auf die Kooperation des Transportunternehmens und schrieben die Konzernzentrale mit der Bitte an, einen Teil der Portokosten zu übernehmen. Derzeit finanzieren die Kinder und deren Eltern die Kosten aus eigener Tasche vor, ein Teil des Geldes stammt aus dem Erlös diverser Wohltätigkeitsaktionen, die die Schüler, gemeinsam mit den Pädagogen in den vergangenen Monaten organisiert hatten. esf