General Anzeiger Bonn - 04.10.2008
Schüler der Mertener Franziskusschule besuchen Dubica im serbischen Teil von Bosnien Herzegowina
Von ROLAND KOHLS (Bilder: Haase)
BORNHEIM-MERTEN. Äußerlich sieht man kaum noch etwas von den Folgen des Krieges in Dubica. Doch die neun Schüler der Mertener Franziskusschule, die die Stadt in Bosnien-Herzegowina für eine Woche besuchten, stellten fest, dass im serbisch dominierten Teil Srpska, in dem die 35 OOO-Einwohner-Stadt liegt, in den Köpfen der Menschen der Krieg noch unvergessen ist. Trotzdem fanden die Mertener Jugendlichen schnell einen guten Draht zu den Schülern aus Dubica, mit denen sie im Mai bereits mehrere Tage in der Walberberger Jugendakademie verbrachten.
„Wir hatten erwartet, dass die Jugendlichen sehr wenig Geld haben und deshalb ganz anders drauf sind", sagte der 15-jährige Axel Zadora. „Aber die Gäste trugen die gleichen Markenklamotten und hatten ähnliche Interessen wie die Bornheimer Schüler. Die Menschen sind schon ärmer als in Deutschland, aber auch viel gastfreundlicher", meint die 16-jährige Linda Henning.
„Wir haben schnell viele Freunde kennen gelernt", sagte Franziska Gühmann, die ebenfalls 16 Jahre alt ist. Wenn sie in ein Cafe ging, waren sofort viele Freunde dabei, die etwas Deutsch konnten, um zu übersetzen. Einige Ausdrücke in der fremden Sprache hatten die Bornheimer Schüler auch gelernt: „Guten Abend", „Gute Nacht" und „Ich habe keinen Hunger mehr" - denn die Gasteltern neigten dazu, den Teller ihrer Gäste immer wieder zu füllen. Ansonsten verständigten sich die Jugendlichen auf Englisch.
Auf dem Programm unter dem Motto „Krieg und Gewalt - Verständigung und Versöhnung" stand die Besichtigung orthodoxer und katholischer Kirchen und einer Moschee, sagte Hans Haase, der als Lehrer der Franziskus-Hauptschule das Projekt begleitete. Spätestens beim Besuch im Rathaus von Dubica merkten die Bornheimer Jugendlichen, dass
der Krieg doch noch in den Köpfen steckt. „Der Bürgermeister ist unseren Fragen nach den Kriegsfolgen und der Versöhnung zwischen den Religionsgruppen ausgewichen oder hat sie ins Lächerliche gezogen", berichtete Linda Henning. Dass die Muslime in der serbisch dominierten Srpska unterdrückt würden, sei den Menschen dort nicht bewusst, berichteten die Jugendlichen.
Bei dem Besuch der Jugendlichen aus Dubica in der Walberberger Jugendakademie wurde an Themen wie Migration und dem Verhältnis von Muslimen und Christen gearbeitet. Organisiert wurde die Fahrt von der Jugendakademie Walberberg und dem Verein Putevimira - Friedenswege - in Bosnien Herzegowina. Motor des Austauschs ist der Leiter der Jugendakademie. Reinhard Griep, der sich in den Kriegsjahren 1992 bis 1995 besonders und auch heute noch um bosnische Flüchtlinge kümmert.