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General Anzeiger Bonn - 23./24.10.10

Aula Franziskusschule

Bornheim richtet Gemeinschaftsschule ein

Von Werner Meyer

Bornheim-Merten. Eigentlich ist es für die Franziskusschule in Merten gar kein so großer Schritt, wenn der Schulausschuss am 4. November beschließen sollte, "am Schulstandort Merten eine Gemeinschaftsschule im Rahmen des NRW-Versuchs Längeres gemeinsames Lernen - Gemeinschaftsschule" des Landesministeriums zu errichten und eine Dreizügigkeit festzulegen. Denn in der Ganztagsschule wird bereits viel umgesetzt, was die neue Landesregierung aus SPD und Grünen propagiert: Den Kommunen soll die Möglichkeit zum wohnortnahen Schulangebot mit gymnasialen Standards gegeben werden, das gemeinsame Lernen wird über die vierte Klasse hinaus gefördert, es gibt enge Verzahnungen mit den weiterführenden Schulen (Europaschule und Gymnasium) und eine enge Kooperation mit Berufskollegs. Wege, die das Kollegium und Leiterin Henriette Heitmann schon zum großen Teil beschreiten.

INFO GEMEINSCHAFTSSCHULE

Das Prinzip "individuelle Förderung" soll in Merten im Mittelpunkt stehen mit binnendifferenziertem Unterricht, Freiarbeit nach Wochenplan, Projektarbeit, individuellen Förder- und Forderplänen, Teilnahme an Wettbewerben in und außerhalb der Schule, Lernpatenschaften, bei denen leistungsstarke Schüler schwächere unterstützen. Als "Komm-Mit-Schule ist die Versetzung der Regelfall, bei Schwierigkeiten gibt es individuelle Förderung. Eine gründliche Vorbereitung gehört zum Prinzip. Die Klassenstärken liegen zwischen 23 und 25.

"Eine Gemeinschaftsschule eröffnet den Schülern im Stadtgebiet und darüber hinaus bessere Perspektiven", erklärten gegenüber dem General-Anzeiger Bürgermeister Wolfgang Henseler und Beigeordneter Markus Schnapka. Und sie betonten wie die Verwaltungsvorlage für den Schulausschuss, dass die Einrichtung der neuen Schulform und die damit verbundene sukzessive Auflösung der Hauptschule eine "Weiterentwicklung in in Merten" sei.

Es habe bereits Vorgespräche mit dem Land gegeben, und der Vorschlag Bornheims sei auf große Zustimmung gestoßen. Das Schulministerium schreibe außerdem eine Abstimmung mit den Nachbarkommunen vor, doch da sehen die beiden Verwaltungsfachleute auch keine großen Probleme: "Es ist dadurch keine Schule in der Nähe gefährdet. Natürlich macht sich jeder Träger Sorgen um seine Schule und die Zahl der Kinder. Aber es gibt so viele Schüler, die in der Europaschule und am Gymnasium abgelehnt werden, außerdem müssen viele Kinder weit zur nächsten weiterführenden Schule fahren. Da gibt es noch große Potenziale." Vorgespräche mit im Rat vertretenen Fraktionen hätten ebenfalls ergeben, dass es grundsätzlich Zustimmung oder Gesprächsbereitschaft gebe. Henseler: "Ich hoffe, dass die Einrichtung einer so positiven Schule jetzt nicht zum Politikum hochstilisiert wird."

Der Aufbau der Gemeinschaftsschule soll Stück für Stück ab dem 5. Schuljahr erfolgen, startend nach den Sommerferien. Daher wird die Hauptschule in Merten 2015/16 auslaufen. Lehrer- und Schulkonferenz werden Anfang November darüber entscheiden. Die Stadt nennt wie das Land die rückläufigen Schülerzahlen und die fehlende Akzeptanz der Hauptschule als Argumente für die Gemeinschaftsschule.

"Die Räumlichkeiten für eine durchgängig dreizügige weiterführende Schule in der Sekundarstufe I ist in Merten mit Ganztagsbetrieb vorhanden. Diese Schule wird nach ihrer Einführung auch gymnasiale Standards beinhalten und den Weg zu allen Abschlüssen eröffnen, auch zum Abitur. Der Erwerb der allgemeinen Hochschulreife soll im Rahmen von Kooperationsvereinbarungen mit den weiterführenden Schulen im Stadtgebiet mit Sekundarstufe II sowie einem Berufskolleg sichergestellt werden", erklären Henseler und Schnapka. Dieses Konzept habe die Bezirksregierung Köln bei einem Abstimmungsgespräch am 7. Oktober "sehr positiv aufgenommen".

Da eine eigene Sekundarstufe II nicht in Merten eingerichtet wird, können die Schüler nach der Sekundarstufe I auf die Europaschule oder das Gymnasium ab der Klasse 10 wechseln. "Somit ist dort das Abitur nach neun Jahren beziehungsweise bei besonderer Leistung der Übergang nach der Sekundarstufe I in die Qualifikationsphase möglich", nennt der Bürgermeister eine wichtige Möglichkeit. Alle Kinder der Klassen 5 bis 8 lernen im integrierten Unterricht im Ganztag. Der Unterricht im Klassenverband wird für die Klassen 9 und 10 mit zwei Leistungsstufen in den Fächern Deutsch, Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften sowie frei zu wählenden Angeboten fortgeführt.

Für Chancengleichheit und eine optimale Förderung der Schüler plädiert die Landesregierung und ruft zum Modellversuch auf. Begabte Kinder werden gefördert, schwächere lernen im Gruppen. Innerhalb des gemeinschaftlichen Unterrichts werden Stärken und Schwächen berücksichtigt und entsprechend der Stoff vermittelt (binnendifferenzierter Unterricht). Dazu kommt eine gründliche Vorbereitung auf das Berufsleben, wie die bereits vorhandene Kooperation mit den Bornheimer Handwerkern zeigt.

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