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General Anzeiger Bonn - 24.04.10

„Ein Spielplatz für uns wäre fair "

Schüler der Franziskusschule bewerten ihr Umfeld nach Jugendtauglichkeit

Von Bernhard Berger

jugendforum

BORNHEIM-MERTEN. Ruhe. Wie oft sind Jugendliche in Bornheim schon darum gebeten worden, von den Nachbarn ihrer Treffpunkte, mehr oder weniger freundlich. Dabei haben die jungen Leute großes Verständnis für diesen Wunsch.
Denn sie teilen das Bedürfnis: „In der Regel chillen wir nur", sagt Alban Gashi (17), Hauptschüler aus Merten, über die Hauptbeschäftigung seiner Altersgruppe bei gemeinsamen Treffen unter freiem Himmel. „Chillen", das bedeutet so viel wie „Abspannen", „cool rumhängen", miteinander quatschen, einfach mal gar nichts tun. Doch das ist eben nicht überall möglich.
Auf der Suche nach Treffpunkten, wo Jugendliche „chillen" können, ohne Erwachsene auf den Nerv zu gehen, hat sich in dieser Woche eine Gruppe von Schülern der Mertener Franziskusschule im Stadtgebiet umgesehen. Einen Vormittag lang durchstreiften sie dabei Sechtem - und staunten nicht schlecht. Denn einer der beliebten Treffpunkte, der ihnen von Mitschülern genannt wurde, befindet sich unter der Brücke, die die Bahnhofstraße über die Bundesbahntrasse führt. „Dort ist es total dreckig,  Sitzplätze gibt es auch nicht", wunderte sich Lucie Bell (17), dass sich dort jemand freiwillig aufhält. Hendrik Marschall (15) zog seine eigenen Schlüsse: „Dort sind diejenigen schwer zu beobachten, die schnell weg wollen, wenn die Polizei kommt", meinte er.
Das Gegenteil ist der Fall bei den fünf Spielplätzen im Ort, stellten die Mertener Hauptschüler fest: Sie sind gut einsehbar und auf Kleinkinder ausgelegt. Ein unausgewogenes Verhältnis, wie Sina Ibrahim (15) urteilte: „Vier Plätze für die Kinder, einer für uns - das wäre fair", schlägt sie vor. Abgesehen davon, dass sich die Jugendlichen dort nicht wirklich wohl fühlen:  „Da kann ständig jemand aus den Häusern gucken, was wir machen, das fühlt sich nicht gut an", sagte Ayten Acar (15). Ganz so abgelegen wie der inoffizielle Treffpunkt von Jugendlichen im Wäldchen an der Schweppenburgstraße mögen es vor allem die Mädchen dann aber auch nicht: „Da hätte ich Angst, gerade abends, wenn einige schon Alkohol getrunken haben", sagte Lucie Bell.
Eine Notrufsäule würde da­gegen sicher zu oft von angetrun­kenen Jugendlichen missbraucht, befürchtete sie. Denn dass Alkohol meist dazugehört, bestritten die Hauptschüler nicht. Allerdings in Maßen: Von der Unart einer Minderheit, mit Wodka und Eistee schnell auf die Volltrunkenheit zuzusteuern, hielt die Projektgruppe wenig.
Doch auch nüchtern müsse ein wenig Lautstärke erlaubt sein, sagt Alban Gashi: „Es gibt immer jemand, der den Entertainer macht", sagt er und meint sich selbst, „dann lachen und singen wir eben".
Gute Noten verdienten sich bei dem Rundgang in Bornheim die beiden Jugendtreffs, wobei das Cafe Carlson in den Augen der Mertener sogar noch besser abschnitt als der Bornheimer Jugendtreff.
„Dort kann man eben noch besser chillen", sagt Alban Gashi. Die Ruhe ist den Jugendlichen eben ein hohes Gut.

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