Bonner Rundschau – 04.03.2009

Hauptschule kann mehr, als viele wissen

Fortschritt beim „Mertener Modell": Ganztagsbetrieb ist genehmigt, aber Realschulzweig nicht

Von JANA CÜRTEN

BORNHEIM-MERTEN. Die Entscheidung über die Zukunft des „Mertener Modells" ist ge­fallen: „Der Ganztagsbetrieb wurde genehmigt, die Erweiterung um einen Realschulzweig hat die Bezirksregierung in Köln aber abgelehnt. Dieses Thema ist somit vom Tisch", sagt die Schulleiterin der Franziskusschule, Henriette Heitmann.

Das „Mertener Modell" war vor zwei Jahren als ein Projekt der Hauptschule in Bornheim-Merten gestartet: Ziel war ein Mittelding zwischen Verbund- und Sekundarschule mit Ganztagsbetrieb. Die Begründung für die Absage der Er­weiterung um den Realschul­zweig liege wahrscheinlich in der Nähe zur Verbundschule in Heimerzheim, vermuten Schulleiterin Henriette Heitmann und Konrektorin Astrid Geschwind. Als gescheitert möchten die beiden Lehrerin das Projekt nicht bezeichnen.

»Wir sind froh, dass wir ab dem Schuljahr 2009/10 mit dem Ganztagsbetrieb für die fünften Klassen beginnen können", sagt Henriette Heitmann, und Astrid Geschwind fügt hinzu: „Wir wollen päd­agogisch das Maximum aus unseren Schülern rausholen. Sie sollen lernen zu lernen. Für diese Förderung brauchen wir die Zeit, die wir dann haben werden." Wichtig sei auch, betont sie, was die meisten Leute gar nicht wissen: Auch an ei­ner Hauptschule können Schü­ler einen Realschulabschluss und sogar den Abschluss mit der Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe erwerben.

Damit möglichst viele Schüler der Franziskusschule den bestmöglichen Abschluss er­reichen, hält das Lehrerkolle­gium am geplanten Konzept der gezielten Förderung fest. Heitmann sagt dazu: „Auch ohne Realschulzweig machen wir unter dem Dach der Hauptschule mehr als manch andere Hauptschule." So bekommen die Schüler bei Pro­blemen Unterstützung von ei­nem Beratungsteam mit einer Sozialpädagogin, Streitschlich­terausbildern und ausgebilde­ten Beratungslehrern. Außerdem wird auf die Klassengrö­ße geachtet. Um jedem Einzelnen gerecht werden zu kön­nen, sind die Klassen mit 20 Kindern pro Klasse angenehm klein. Die Lehrerinnen beto­nen, dass ein besonderes Au­genmerk auf der Berufsvorbe­reitung liege. Die Schüler ma­chen in den Klassen acht, neun und  zehn Betriebspraktika und bekommen im Berufsorientierungs-büro Jugendberufshilfe.

„Wir zeigen unseren Schülern die Arbeitswelt auf, so dass sie nach der Schule wissen, welcher Beruf zu ihnen passt", erläutert Geschwind. „Mehr fördern, um mehr fordern zu können", lautet Motto. Ein Schritt dahin ist auch der Antrag zur Aufhebung der äußeren Differenzierung in den Fächern Englisch und Mathe in den siebten und achten Klassen. Die Schulleitung hat diesen Antrag bei der Schulentwicklungskonferenz gestellt und hofft auf Entscheidung vor den Sommerferien. Heitmann: „Wenn die äußere Differenzierung zugunsten einer Binnendifferenzierung aufgehoben wird, lernen alle Schüler zusammen. Die starken Schüler ziehen die schwachen mit. Unsere Erfahrung zeigt, dass sich das positiv auf die Noten aller auswirkt."
Von dieser Genehmig mit der sie rechnet, erwartet Henriette Heitmann auch die Erlaubnis, die Schule „Franziskusschule – erweiterte Hauptschule mit mittlerem Bildungsabschluss" nennen zu dürfen. „Das Wort „erweitert“ soll unsere Arbeit hervorheben. Denn diese geht über die der normalen Hauptschule hinaus", erklärt sie, „wir erhoffen uns, so attraktiver für Kinder mit Realschulempfehlung zu sein."

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