FranziskusSALON
An diesem Sonntag wurden die Zuhörer in der bis in den allerletzten Winkel besetzen Aula der Franziskusschule Mitfahrende einer tief bewegenden, melancholischen Zeitreise in das Deutschland des Zweiten Weltkrieges. Anlässlich des 25. Todestages von Heinrich Böll, dessen schlichtes Grab nur wenige Gehminuten von der Schule entfernt liegt, lasen Claudia Amm und Günter Lamprecht aus "Der Engel schwieg", Bölls Roman über die Liebe eines Kriegsheimkehrers und einer einsamen Frau im zerstörten Nachkriegs-Köln, entstanden um 1950.
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Den Abend eröffnete Bornheims Bürgermeister Wolfgang Henseler, der in seiner Rede auf die posthume und allzu späte Entdeckung Heinrich Bölls als Bürger der Stadt Bornheim einging. Zuvor teilte er am Eingang jedem der zahlreichen Besucher ein Stück Brot aus, um so auf das Grundmotiv des Abends „Brot gegen das Vergessen“ und damit an die entbehrungsreiche Zeit nach dem Krieg einzustimmen, die Böll in seinen Romanen immer wieder aufarbeitete – so auch in „Der Engel schwieg“.
Auch Kölns Bürgermeisterin Angela Spitzig würdigte in ihrer Ansprache Leben und Werk des Kölner Ehrenbürgers Heinrich Böll und hob dabei Bedeutsames in der Beziehung Bölls zu Köln (und umgekehrt) hervor.
Vor der Lesung las Klaus-Dieter Pittrich, Regisseur für Hörspiele und Literatur beim WDR, nach einführenden Worten aus Bölls Manifest „Bekenntnisse zur Trümmerliteratur“ (1951), in dem Böll den ursprünglich abwertenden Begriff zum Programm erhob.
Bereits diese einleitenden Worte, ganz besonders auch Klaus-Dieter Pittrichs Vortrag, versetzten die Zuhörer in eine eigenartig intensive Stimmung.
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Die folgende Lesung mit Claudia Amm und Günter Lamprecht kam denn auch einer Zeitreise in die Vor- und Nachkriegsjahre gleich, in die Zeit der aus einer Notgemeinschaft entstandenen Beziehung zwischen Hans, dem Kriegsheimkehrer, und Regina, deren Kind im Krieg getötet wurde.
Claudia Amm und Günter Lamprecht verzauberten und bewegten die Zuhörerschaft mit Auszügen aus dem Roman, welche einen die stille Intensität und Tragik der Ereignisse gebannt mitverfolgen ließ.
Am Ende der gut zweistündigen Veranstaltung hatten die Besucher - versorgt mit köstlichen Getränken und: Brot! - die Gelegenheit, eine Fotoausstellung der Stadt Bornheim zu Heinrich Böll zu betrachten und sich über das Engagement Günter Lamprechts als Botschafter für die Stiftung Friedensdorf zu informieren, die sich um Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten kümmert. (
INFOS zur Stiftung Friedensdorf)
Günter Lamprecht, geboren in Berlin und seit vielen Jahren in Bornheim zu Hause, zählt zu den renommiertesten Schauspielern Deutschlands. Große internationale Popularität erlangte er mit der Darstellung des Franz Biberkopf in Rainer Werner Fassbinders Verfilmung des Romans „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin sowie als Kommissar Markowitz für den Berliner „Tatort“. Daneben wirkte er aber auch in zahlreichen Fernseh- und Kinofilmen (u.a. „Das Boot“, „Comedian Harmonists“) mit.
Claudia Amm, geboren in Köln und seit vielen Jahren mit Günter Lamprecht liiert, ist sowohl an namhaften deutschen Schauspielhäusern wie auch in zahlreichen TV-Produktionen zu sehen - so in der Serie "Der letzte Zeuge" mit Ulrich Mühe, im "Tatort" sowie in vielen anderen Fernsehproduktionen. Sie spielte zuletzt in einer Produktion des renommierten Ernst-Deutsch-Theaters Hamburg die Rolle der Violet Weston in dem Theaterstück „Eine Familie“ des Pulitzer-Preisträgers (2008) Tracy Letts.
Heinrich Böll (1917 - 1985), einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit, lebte ab 1982 in Bornheim-Merten. Zu seinen geistigen Mitstreitern zählten die sowjetischen Dissidenten und Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn und Lew Kopelew, welche, zusammen mit dem späteren Nobelpreisträger Günter Grass, Heinrich Böll am 19. Juli 1985 auf dem Mertener Friedhof zur letzten Ruhe geleiteten. Aus diesem Anlass war auch der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker zugegen und würdigte Böll als einen der "geistigen Repräsentanten Deutschlands".
Bölls wohl berühmtestes Werk "Die verlorene Ehre der Katharina Blum", das einen Beitrag zur Terrorismusdebatte der 1970er Jahre darstellt und sich gegen bestimmte Teile der bundesdeutschen Presse richtet, wurde in über 30 Sprachen übersetzt und bis 2007 allein in Deutschland fast 6 Millionen mal verkauft.
Auszug aus der Presse:
Kölner Stadt Anzeiger vom 23.11.2010
Bonner Rundschau vom 25.11.2010
"Wir im Vorgebirge" vom 23.11.2010