Preis EUROPEANS FOR PEACE

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Der Krieg steckt noch in den K
öpfen

Ein Bericht unseres Kollegen Hans Haase

 

War das ein Empfang in Kozarska Dubica/ Bosnien-Herzegowina! Alle waren sie da: die jugendlichen, ihre Eltern, die Lehrer und die Mitglieder von „putevi mira" („Friedenswege") um uns in ihren Räumen mit einem leckeren landestypischen Büffet willkommen zu heißen. Damit war der 2. Teil der deutsch - bosnisch-herzegowinischen Jugendbegegnung zwischen 9 Schülerinnen unserer Schule, 7 Schülerinnen der Reuschenberg Hauptschule aus Eisdorf und 15 Schülerinnen der Nikola Tesla Schule in Dubica gestartet. bosniaWir freuten uns auf 10 erlebnisreiche Tage in der Zeit vom 12.-22. September 2008. Eine 2-tägige Fahrt in drei Kleinbussen, Zwischenstopp mit Übernachtung in der Nähe von Salzburg und Weiterfahrt durch Slowenien und Kroatien lagen hinter uns, ca. 1300 Kilometer. Begleitet wurden die 15-17 jährigen Jugendlichen von dem Leiter der Jugendakademie Walberberg, Herrn Griep, der Sozialpädagogin Frau Demirovic, der Lehrerin Frau Pascher aus Eisdorf und einem Lehrer unserer Schule, Herrn Haase.
Die Jugendlichen hatten sich im Mai 2008 12 Tage lang in der Jugendakademie kennen und schätzen gelernt, miteinander gearbeitet und gefeiert. So wurden Themen wie „Krieg und Frieden", „Migration", „Mehr-und Minderheiten", „Kirche und Glaube" und „Soziale Stadt" bearbeitet. Besichtigungen ergänzten das Programm. Es wurden Freundschaften geschlossen, diese per Internet und „msn" in der Zeit zwischen den Begegnungen gepflegt, so dass jeder deutsche Jugendliche Gast in einer bosnisch-herzego­winischen Familie sein konnte. Kozarska Dubica, eine 35 000 Einwohner zählende Stadt, liegt im serbisch dominierten Teil, der Srpska, von Bosnien-Herze­gowina (BIH). Auch hier steckt der Krieg von 1992-1995 noch in den Köpfen, wie die Jugend­lichen bei vielen Gesprächen und Diskussionen feststellen mussten. Viele, besonders ältere sehr arme Menschen in z.T. menschenunwürdigen zer­störten Häusern, gaben häufig Anlass zu Diskussionen und Nachforschungen. Aber auch Äußerungen in den Familien gaben Anlass zum Nachdenken. Spätestens im Gespräch mit dem Stellvertreter des Bürgermeisters merkten die Jugendlichen, da er Fragen nach Kriegsfolgen und der Versöhnung zwischen den Religionsgruppen auswich oder sie sogar ins Lächerliche zog, dass der Boden für ein unbelastetes Miteinander in der Bevölkerung noch nicht bereitet ist. In diesem Gespräch wurde den Jugendlichen ihr Informa­tionsdefizit über die politischen Verhältnisse in BIH besonders bewusst. Dies konnte vor Ort in verschiedenen Seminaren, Besichtigungen und Gesprächen mit Betroffenen leider nur zum Teil aufgearbeitet werden. Die endgültige Aufarbeitung - soweit dies möglich war - erfolgte dann in Deutschland.

Im Mittelpunkt der Begegnung stand die Arbeit aller Schülerinnen miteinander zu bestimmten Themen. Diese wurde dokumentiert und in zahlreichen Treffen der dt. Schülerinnen im Anschluss an die Begegnung zusammengefasst und mit den bosnisch-herzegowinischen Beteiligten abgestimmt. Mit finanzieller Unterstützung der Bundesstiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" bzw. dem Teilprojekt „Europeans for Peace" konnte eine umfassende Ausstellung über das Begegnungsprojekt und einzelne Programminhalte erstellt werden. Die Ausstellung wird in Deutschland bis 2010 an verschiedenen Orten der Region zu sehen sein (Schule und Sparkasse in Eisdorf, Jugendakademie Walberberg, Franziskusschule, Schulamt des Rhein-Sieg Kreises in Siegburg, Rathaus der Stadt Bornheim, ...) (s. dazu www.ju-gendakademie.de) Die Ausstellung wurde natürlich auch übersetzt. Zur Ausstellungseröffnung in der Nicola Tesla Schule flog eine Delegation aus Betreuern und Schülerinnen nach Dubica. Auch bei diesem Besuch waren wir bei unseren gastfreundlichen Freunden unter gebracht und verlebten interessante und aufschlussreiche Tage. Die Schülerinnen unserer Schule Linda H., Franziska G., Franziska V., Kathrin G., Anna Lena S., Oliver M., Axel Z., Michael R. und Seba­stian D. werden diese Begegnungen hoffentlich zeitlebens in positiver Erinnerung behalten. Sie haben mit ihrem Engagement, ihrer Offenheit und Toleranz ein positives Signal in der doch noch so zerrissenen politischen Landschaft Europas gesetzt. Damit haben sie einen ersten kleinen Schritt in die richtige Richtung getan.

 

Zusätzliche Infos findet man unter : www.europeans-for-peace.de